Dyskakulie – Was bedeutet das?

Die Dyskalkulie ist im Vergleich zur Legasthenie beziehungsweise der Lese-Rechtschreib-Störung (kurz: LRS) in weiten Teilen der Gesellschaft weniger anerkannt und weniger erforscht. Besser bekannt als Rechenstörung ist sie genauso wie eine LRS von der Weltgesundheitsorganisation als Störung bestätigt und wird folgendermaßen definiert:

„Diese Störung besteht in einer umschriebenen Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten (…). Das Defizit betrifft vor allem die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten, wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, weniger die höheren mathematischen Fertigkeiten, die für Algebra, Trigonometrie, Geometrie oder Differential- und Integralrechnung benötigt werden.“[1]

Meist werden die Begriffe der Dyskalkulie, der Rechenstörung oder Rechenschwäche synonym benutzt. Dennoch kann jeder Begriff für sich eine andere Diagnose bedeuten, je nach Richtlinie der Schule, des Bundeslandes oder des Diagnoseverfahrens des Arztes oder der Ärztin[2]. Alle Begriffe beschreiben aber die Schwierigkeit in der Anwendung grundlegender Mathematik.

Die Ursache für eine Rechenstörung ist komplex und bislang nicht ausgiebig erforscht, jedoch wird nach Befunden aus der Tier- und Säuglingsforschung davon ausgegangen, dass eine Art Zahlensinn angeboren ist. Genauer gesagt gibt es ein biologisches System zur Erfassung und Unterscheidung von Mengen[3].

Beim Rechnen sind sowohl das bildlich-räumliche als auch das sprachliche Zahlensystem im Gehirn beansprucht. Der Teil des Gehirns, in dem sich das bildlich-räumliche Zahlensystem befindet, ist ebenfalls für nicht-numerische Fähigkeiten wie das räumliche Denken und die Aufmerksamkeit zuständig, häufig weisen Kinder mit Rechenschwierigkeiten auch hier Defizite auf. Außerdem konnten Unterschiede in der grauen Substanz in rechts-parietalen Gebieten des Gehirns und dem frontalen Kortex zwischen Kindern mit Rechenschwäche und ohne Rechenschwäche festgestellt werden[4].

Außerdem ist Dyskalkulie genau wie LRS vererbbar: Liegt bei einem Geschwisterteil bereits eine Rechenschwäche vor, so ist das Risiko um das Fünf- bis Zehnfache erhöht, dass auch das andere Geschwisterteil Rechenprobleme entwickelt[5]. Genaue genetische Faktoren sind bis jetzt noch nicht ausführlich erforscht. Unter anderem konnte aber festgestellt werden, dass Personen mit genetisch bedingten Erkrankungen wie dem Turner-Syndrom (Frauen mit nur einem X-Chromosom[6]) in Studien auch häufig eine Rechenschwäche aufwiesen.

Insgesamt kann somit zusammengefasst werden, dass bei einer Dyskalkulie genauso wie bei einer Lese-Rechtschreib-Schwäche genetische und neurologische Faktoren sowie Umweltfaktoren eine Rolle in der Entwicklung und Ausprägung einer Rechenstörung spielen.


[1] Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V: „Dyskalkulie. Ratgeber zum Thema Dyskalkulie – Erkennen  und Verstehen“, 6. Auflage 2018. https://www.bvl legasthenie.de/images/static/pdfs/bvl/2_Dyskalkulie_2018_web.pdf [12.03.21], S. 5

[2] Vgl. Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V, S. 7

[3] Vgl. Rauter, Katja, „Dyskalkulie – Was ist das? Symptome, Ursachen und Fördermaßnahmen“, Magistra-Arbeit: https://homepage.univie.ac.at/bernhard.kroen/Rauter.pdf [12.03.21], S. 24

[4] Vgl. Rauter, 2018, S. 25

[5]  Vgl. Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V: „Dyskalkulie. Ratgeber zum Thema Dyskalkulie – Erkennen  und Verstehen“, 6. Auflage 2018 . https://www.bvl legasthenie.de/images/static/pdfs/bvl/2_Dyskalkulie_2018_web.pdf  [12.03.21], S. 13

[6] Vgl. Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V, S. 13